Ein Engländer in Paris.
Posted by | Tanja | Posted on | September 28, 2009 | 2 Kommentare
Ich habe selten so gelacht. Wenn man schon mal Erfahrungen mit Franzosen sammeln durfte – insbesondere mit den Parisienne – die ja von sich sagen, dass sie keine Franzosen, sondern Pariser sind, kann man wahrscheinlich noch viel mehr über das Buch lachen. Ich hatte mich nicht wirklich über den Inhalt von “Ein Engländer in Paris” informiert, wollte einfach eine leichte, entspannte Lektüre und als ich den Covertext gelesen hatte, wusste ich, es kann lustig werden. Ich saß in einem Café, wartete auf eine Freundin und fing mit dem Lesen an. Schon nach wenigen Seiten hatte ich einen Lachanfall nach dem nächsten. Es führte soweit, dass mir Tränen die Wangen herunterliefen und die Menschen an den umliegenden Tischen wissen wollten was ich da lese. Ehrlich, ich konnte mich nicht zusammenreißen. Eine Glanzleistung in Übersetzung! Der Nachfolger “Ich bin ein Pariser” ist übrigens schon deutlich schwächer. Klingt nicht so autentisch und versucht eher lustig zu sein.
Hier ein Auszug des Buches (und das ist nicht eine von wenigen guten Stellen … genauso ist das Buch):
»Du biss simmlisch jung«, sagte der Dürre. Nicht vorwurfsvoll, eher verwundert.
»Na ja, ich bin auch schon 27. Als Rockstar wäre ich schon steinalt.«
Der Knabe wehrte entschuldigend ab. »Nein, nein. Aisch nisch wollen
kritisierähn. Aisch meinen das … bewundarlisch.« Er hatte einen ziemlich
seltsamen Akzent. Nicht unbedingt einen französischen. Ich kam nicht drauf.
»Ja, wir alle bewundern Paul, soviel steht fest.« Wieder einmal sorgte
Jean-Marie dafür, daß ich das Gefühl hatte, offenherzig gelobt zu werden. »Aber
nun sollten auch wir uns vorstellen«, sagte er. »Bernard, du fängst an!«
Bernard war der große Dickliche mit dem Bürstenschnitt und dem gepflegten
blonden Schnurrbart. Er sah aus wie ein schwedischer Polizist, der es geschafft
hatte, wegen seiner Plattfüße in Frührente zu kommen. Zu einem kränklich blauen
Hemd trug er eine Krawatte, die sich vergeblich bemühte, rot zu erscheinen. Ihm
fehlte eigentlich nur noch ein auf der Stirn eintätowiertes »hohl«. Andererseits
hätte ihn das vielleicht sogar wieder etwas interessant gemacht.
Bernard lächelte gequält und öffnete den Mund.
»Isch binn Bärrnahr, isch binn vehanntwottlisch fürr die
Kommünikassjohsbereisch, äh…«
Ach du meine Güte, dachte ich, hatte Jean-Marie nicht gesagt, die Besprechung
würde in meiner Sprache abgehalten? Wieso jetzt auf einmal in Ungarisch?
Bernard aus Budapest kauderwelschte einige Minuten unverständlich weiter. Dann
wollte er offenbar etwas von allergrößter Wichtigkeit sagen – ich merkte es
daran, daß er es herauspreßte wie jemand, der an chronischer Verstopfung leidet.
»Isch freun misch serre su arbaite mitt dirr.«
Puh, dachte ich. Ich spreche zwar keine osteuropäischen Sprachen, aber das habe
ich verstanden. Er freut sich sehr darauf, mit mir zu arbeiten. Heiliger
Babelfisch! Irgendwie so mußte sich in Urzeiten Sprache aus Schmatzen entwickelt
haben.
»Danke, Bernard«, sagte Jean-Marie und lächelte aufmunternd. Hatte er mir seine
größte Niete vorgeführt, um sein eigenes erstklassiges Englisch zu betonen? Ich
begann, mir Hoffnungen zu machen. »Bitte schön, Marc.«
Marc war der glatzköpfige Dürre. Er trug ein dunkelgraues Hemd, der Kragen stand
offen, und vom Bügeln schien er auch nicht viel zu halten. Ich erfuhr, daß er
einige Jahre in den Südstaaten gelebt hatte, was seinen schrägen Akzent
erklärte. Er hörte sich an wie Scarlett O’Hara mit Pernod-Schwips.
»Aisch binn Laita vonn dih Abbetailung Aihtieh«, sagte er.
»Abbetailung Aihtieh«, wiederholte ich anerkennend. Ich hatte nicht den
leisesten Schimmer, was das sein sollte. Hat vielleicht etwas mit »Tea« zu tun,
dachte ich. Also was Wichtiges.
»Jaha. Kommpjutahsisstehme«, bestätigte Marc.
»Ach so, I. T.«, entfuhr es mir. Er warf mir einen finsteren Blick zu. »Dein
Englisch ist ausgezeichnet«, schob ich hastig nach. »Wie lange warst du in den
Staaten?«
»Aisch wahren eine Jarre anne dih Uniwersihteh vonne Tschohtschja,
anschlüsslisch funffe Jarre ahbaite furre eine Fasischerunkskompanie inne
Attelannta. In die Abbetailung Aihtieh, natürrelische.«
»Natürrelische«, nickte ich.
»Danke, Marc. Stéphanie?« moderierte Showmaster Jean-Marie das nächste
Sprachgenie an.
Stéphanie war die Blonde mit dem kantigen Kinn. Ihr Akzent war katastrophal, sie
kam fast ohne Grammatik aus, aber langsam hörte ich mich ein. Stéphanie war im
fleischverarbeitenden Zweig des Unternehmens die »Veahnwottlische füa diha
Ainkauf«. Sie war »seah glügglisch«, nun die »vohaussischtlische Veahnwottlische
füa diha Ainkauf« auch der geplanten Kette von »engelische salons-du-thé« zu
werden. Ganz offensichtlich fiel ihr das Sprechen ebenso schwer wie mir das Zuhören. Als
sie geendet hatte, warf sie Jean-Marie einen Blick zu. »So, jetzt habe ich meine
fünfzig Liegestütze gemacht. Zufrieden, du Sadist?« schien sie ihm sagen zu
wollen.
»Danke, Stéphanie. Nicole, bitte.«
Comments
2 Comments to “Ein Engländer in Paris.”
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September 28th, 2009 @ 17:33
I didnt realise you had a blog too, cool. I’ll find my german dictionary…..
An Englishman in Milan
September 28th, 2009 @ 18:10
Hi Englishman in Milan … you can use the translate button on the right side. The translation isn’t very good but I’m sure it’s better for you to understand than German. Otherwise … it could be a very good exercise to improve your German *Lol