Wenn dich ein Gedanke mürbe macht, kehre ihn um!
Posted by | Tanja | Posted on | Mai 14, 2011 | Keine Kommentare
Im Moment bereite ich alle Programmpunkte für das Mallorca Body & Mind TimeOut vor und beschäftige mich deshalb sehr intensiv mit den Workshop-Themen, die als optionale Punkte auf dem Programm stehen. Einer der Workshops beschäftigt sich mit dem Prinzip “The Work”, das Byron Katie entwickelt hat. Das Prinzip ist relativ einfach anzuwenden, wenn man sich darauf einlässt, bzw. sich mit seinen Gedanken beschäftigt.
Ich möchte vorweg nehmen, dass jeder von uns unglaublich viele Selbstgespräche über den Tag verteilt führt. Diese Selbstgespräche werden aus Wörtern gebildet, die eine positive oder negative Stimmung bei uns auslösen. Wenn wir uns zumindest hin und wieder selbst zuhören, werden wir sehr schnell feststellen, welche Dinge wir uns ständig selbst erzählen und wie sie unsere Gefühle beeinflussen. Sehr oft kann man sich selbst dabei ertappen, wie man Gedanken hat, die nicht der Realität entsprechen. Beispiele dafür sind: “Ich sollte schlanker sein.”, “Mein Partner sollte mich besser verstehen.”, “Diese Kinder sollten sich besser benehmen.” – um nur einige zu nennen. Diese Gedanken erwarten von der Realität, dass sie anders ist, als sie es jetzt ist. Auf diese Weise werden Stress, Frustration und Depression geboren.
Wenn du die Wahl treffen müsstest zwischen Recht haben (und dem Stress, der damit einhergeht) und frei sein – was würdest du wählen?
Das Prinzip von “The Work” arbeitet mit vier einfachen Fragen und der Umkehrung. Wenn du also einen zermürbenden Gedanken hast, kannst du ihn wie folgt bearbeiten und wenn du es wirklich willst, auch auflösen. Ich möchte dir gerne anhand eines Beispiels zeigen wie es funktioniert:
Der beispielhafte Gedanke:
“Es macht mich wahnsinnig, dass er/sie sich alle Optionen offen lässt und keine Entscheidung trifft.” (Abgekürzt auch: “Er/sie sollte sich entscheiden!”)
Die 1. Frage: Ist das wahr?
Lasse die Frage in Zusammenhang mit dem Gedanken auf dich wirken. Nimm dir Zeit und fühle hinein. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Kannst du wissen, wie er/sie handeln oder sein sollte? Kannst du wirklich wissen, dass es – auf lange Sicht – besser für dich oder andere wäre, wenn die Realität so wäre, wie du es dir vorstellst?
Wenn du die Frage mit einem klaren JA beantworten kannst, frage dich:
2. Frage: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Mit ziemlicher Sicherheit kommst du zu dem Ergebnis, dass du es nicht wissen kannst, weil du es nur vermutest, weil er/sie dir nie gesagt hat, dass er/sie mehrere Optionen hat. Du nimmst es an. Dein Kopfkino erzählt dir das. Und nur, wenn er/sie dir wirklich gesagt hat, dass er/sie sich nicht entscheiden will, kannst du immer noch mit einem klaren JA antworten.
Widme dich dann der 3. Frage: Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken denkst?
Was empfindest du? Wut, Stress, Ärger, Machtlosigkeit? Versuchst du in irgendeiner Form, ihn/sie zu ändern? Wie fühlt sich das an? Bringt dieser Gedanke Stress oder Frieden in dein Leben? Wie behandelst du dich, wenn du diesen Gedanken denkst? Wie behandelst du die andere Person, wenn du diesen Gedanken denkst? Wo spürst du es in deinem Körper, wenn du diesen Gedanken denkst? Kannst du einen friedvollen, entspannenden Grund dafür finden, an diesem Gedanken festzuhalten?
Frage 4: Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
Schließe die Augen und gehe innerlich in die Situation hinein. Stelle dir vor, du könntest diesen Gedanken nicht denken. Wer bist du jetzt? Wie fühlt es sich an, ohne diesen Gedanken? Wer bist du jetzt, in diesem Moment ohne diesen Gedanken?
Lasse dir für die Beantwortung der Fragen ausreichend Zeit. Das ist wichtig, um alle Argumente, Gründe und Gefühle zu durchleuchten. Am besten schreibst du die Antworten auf. Gedachte Gedanken sind nur halb so stark wie aufgeschriebene, die man wieder und wieder lesen kann, wenn man will.
Kommen wir jetzt zum fast spannendsten Teil des Prozesses. Die Umkehrung.
Das ist eine Gelegenheit, das Gegenteil von dem, was du für wahr hälst, in Betracht zu ziehen. Oft kannst du mehrere Umkehrungen finden.
Beispiele:
“Er/sie sollte sich entscheiden.” wird umgekehrt zu:
“Er/sie sollte sich nicht entscheiden.” (Entspricht manchmal der Realität, oder?)
“Ich sollte mich entscheiden.” (Das ist meine Aufgabe, nicht seine oder ihre.)
Erlaube dir, die Umkehrungen zu spüren. Frage dich jedes Mal: “Ist das genauso wahr oder wahrer?” Es geht nicht darum, dass du dich selbst bezichtigst oder dich schuldig fühlst. Es geht darum, Alternativen zu entdecken, die dir Frieden bringen können.
Jetzt kannst du noch Beispiele dafür finden, warum deine Umkehrungen evtl. wahrer sind, als dein ursprünglicher Gedanke:
“Wenn er/sie sich nicht entscheidet, muss ich das auch nicht tun.”
“Wenn er/sie sich entscheidet, muss ich mit der Konsequenz leben.”
“Ich halte mir Optionen offen und projiziere es auf ihn/sie.”
“Ich drücke mich davor, mich zu entscheiden, weil das Konsequenzen haben wird. Ich nehme mir vor, mich zu entscheiden.”
Es ist spannend auf welche Antworten man kommt, wie der negative Gedanke auf einmal verschwindet. Wenn man erst einmal ein gutes Gefühl zu den neuen Gedanken gefunden hat, will man den alten Gedanken gar nicht mehr denken. Wenn man es doch tut, hat man die neuen Gedanken schon in petto.
Versuche es doch einfach einmal aus. Du brauchst nur etwas Ruhe und Lust, dich mit deinen Gedanken zu beschäftigen.
Ich wünsche dir einen tollen Sonntag und viele schöne Gedanken!
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