Gedanken-Ping-Pong oder doch lieber Entspannung.
Posted by | Tanja | Posted on | Oktober 28, 2011 | 2 Kommentare
Wenn dein Gehirn von all dem Gedanken-Ping-Pong schon ganz matschig ist, dann ist dies dein Artikel. Die meisten kennen das. Es gibt Gedanken, die einen wahnsinnig machen. Man dreht sich immer und immer wieder darum und kommt doch nicht weiter. Das ist wie ein Kreisel, bei dem man die Ausfahrt nicht erwischt. Man bekommt schon fast einen Drehwurm, aber die Möglichkeit, die nächste Ausfahrt zu bekommen, entschwindet immer mehr. Der Verkehr wird dichter und dichter.
Es ist möglich, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Das geht nicht von jetzt auf sofort, aber mit ein wenig Geduld und Übung schafft man es.
Der Weg: das Mantra.
Ein Mantra ist ein beliebiges Wort, das gewöhnlich aus zwei Silben besteht und so lange wie möglich wiederholt wird – mit lauter Stimme oder im Geist. Die Technik des Aufsagens von Mantren ist uralt. Wir finden sie in nahezu allen religiösen Traditionen.
Wie kann diese Technik nun zur Linderung unserer Neurosen beitragen? Sie zieht die Energie gleichsam von der obsessiven Beschäftigung mit dem Wahrnehmungsobjekt ab, welche Grundlage unserer Neurose ist, und wendet sie einem neutralen Objekt zu, bis sich die obsessive Energie erschöpft, weil sie ihre Wurzel verloren hat.
Wenn du dich von einem wiederkehrenden Gedanken bedrängt fühlst, befindet sich dein Gehirn in einem Zustand neurotischer Überreiztheit. Aus diesem Grund wiederholt es diesen Gedanken ständig. Das ist ein echter Teufelskreis: Immer wenn du diesen Gedanken wahrnimmst, löst er in dir Spannungen aus. Damit aber steigt der Zwang, ihn zu wiederholen. Seine reproduktive Kraft nimmt zu und er zeigt sich stärker als vorher. Auf diese Weise nimmt die Obsession ständig zu. Sie erhält sich selbst und wird dabei immer dicker und größer.
Indem du ein Mantra rezitierst, lenkst du die obsessive Energie auf ein neutrales Objekt. Die Wahrnehmung dieses Objekts verursacht keine innere Spannung. Damit aber wird der Obsession ihre energetische Grundlage entzogen.
Woher ein Mantra nehmen? Es gibt das Mantra ohne und mit Bedeutung und du kannst es dir selbst aussuchen. Entscheide selbst, was am besten zu dir passt oder mit was du am besten klar kommst.
Das Mantra ohne Bedeutung.
Jedes Wort kann zum Mantra ohne Bedeutung werden. “Badi-Badu” oder “Zarapp-Zappzapp” eignen sich zum Beispiel hervorragend. Was du damit tust? Du wiederholst dein Wort wie ein/e Irre/r, wenn dich das Gedanken-Ping-Pong einholt. Ohne Unterlass. Leise und in Gedanken oder laut (aber Achtung, wenn du nicht alleine bist, könnten dich andere für durchgeknallt halten
). Wie lange? So lange bis du aufhörst, an deine Obsession zu denken und stattdessen obsessiv das Mantra wiederholen.
Ich höre dich schon sagen “Was ist das denn für ein Quatsch? Ich soll eine Obsession durch eine andere ersetzen?” Ja, genau! Du legst eine schädliche Obsession ab, um dir eine neutrale zuzulegen. Dein Gehirn ist durch das Gedanken-Ping-Pong an einen hohen Energieverbrauch gewöhnt – diese Energie zieht es aus anderen Regionen des Organismus ab; daher fühlst du dich manchmal körperlich total erschöpft. Aus diesem Grund kann es nicht so einfach zu einem niedrigen Normalverbrauch übergehen. Es braucht Zeit, um seinen Aktivitätspegel zu senken.
Das Mantra mit Bedeutung.
Das bedeutungstragende Mantra hat den klaren Vorteil, dass es sich auch bei nichtobsessiven Neurosen einsetzen lässt, zum Beispiel bei der Angststörung oder der depressiven Störung. Das liegt daran, dass das bedeutungstragende Mantra nicht nur einen Kurzschluss im Gehirn herstellt, sondern dass dieser Kurzschluss auch noch die “Kräfte des Guten” beschwört. Dabei werden positive Verbindungen zu anderen neuronalen Schaltungen gelegt, in denen keine überschüssige Energie zirkuliert. Die angenehmen Empfindungen, die damit verbunden sind, wirken spannungsreduzierend.
Das bedeutungstragende Mantra sollte ein Wort oder Worte sein, an die du glaubst. Zum Beispiel “Liebe und Harmonie”. Auch der Name eines verstorbenen Menschen, dem du sehr verbunden warst, kann starke Suggestivwirkung haben. Das gilt auch für Namen von Menschen, die weit weg von dir sind.
Das bedeutungstragende Mantra ist die Wurzel aller religiösen Rituale, auch im Christentum. Dass es wirkt, steht völlig außer Frage. Der Mechanismus ist immer derselbe. Du richtest dein Denken auf etwas, das dich nicht stört oder dich sogar glücklich macht. Das religiöse Mantra macht deshalb glücklich, weil man ihm Wunderkräfte zuschreibt. Auf diese Weise verhinderst du, dass es sich mit Objekten beschäftigt, die dich stören oder unglücklich machen.
Nun, einen Versuch ist es doch Wert! Übrigens, das Mantra kann auch bei der Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Wenn sich deine Gedanken nur ums Essen drehen, suche dir ein Mantra, das dich entweder völlig davon ablenkt, dabei aber unbedeutend ist oder eben ein bedeutungstragendes Mantra, das dich auf andere Gedanken bringt, wie zum Beispiel “gesunder Körper” oder “wohltuende Bewegung”.
Viel Spaß beim Ausprobieren und nicht gleich verzweifeln, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert.
Comments
2 Comments to “Gedanken-Ping-Pong oder doch lieber Entspannung.”
Leave a Reply



Oktober 29th, 2011 @ 19:27
Das Denken selbst kann aber auch Mantrafunktion haben, oder?
Oktober 30th, 2011 @ 12:21
Absolut! Das Mantra ist doch denken. Der Clou ist eben nur, dass man kontrolliert was man denkt …