Tanja's Universe

Only Movement leads to Movement

Große Brüste. Lange Beine. Lange Haare. Knackpopo. Ist das alles?

Posted on | Februar 17, 2012 | 2 Kommentare

Der Wahnsinn mit der Schönheit umtreibt mich gerade und hat mich an frühe Zeiten meiner Jugend erinnert. Die Gesellschaft will uns immer wieder einreden, was oder wie das Schönheitsideal ist und wenn wir uns davon beeinflussen lassen, laufen wir permanent einem Bild hinterher, das wir im Zweifel gar nicht erreichen können. Jetzt könnte man denken “ist ja interessant, das sagt eine Person, die sich genau in diesem Bereich tummelt, die den Menschen hilft, <<schöner>> zu werden.” Hier MUSS ich ein klares Veto einlegen! Mir geht es in meinem Job in erster Linie um das WOHLFÜHLEN. Die Schönheit kommt dann von alleine. Wenn ich mich wohlfühle, strahle ich von innen und jeder vermeintliche Makel wird dadurch unwichtig. Wenn mich jemand ansieht und nur meine Hülle will, oder nur an meiner Hülle interessiert ist, dann sieht er mich nicht wirklich an. Denn ich bin soviel mehr als nur mein Körper, mein Gesicht und meine Haare.

Es war ein langer Weg für mich, genau das zu erkennen, oder zu dieser Einstellung zu gelangen, aber ich bin mir sehr sicher, dass ich meinen Job als Coach niemals angefangen hätte, wenn es mir ‘nur’ um die Schönheit gegangen wäre. Das ist viel zu oberflächlich und absolut nicht nachhaltig. Ich wünsche mir, dass ich dazu beitragen kann, dass es den Menschen besser geht, dass sie sich wohler in ihrer Haut fühlen. Und das kann auch – oder gerade – durch ein Gespräch geschehen. Veränderung hat mit Akzeptanz zu tun. Erst, wenn ich mich genauso akzeptiere wie ich bin, kann ich mich verändern. Wie soll ich etwas an mir verändern, das ich permanent von mir stoße? Das geht nicht.

Ich bin durch eine schwere Schule gegangen. Ich glaube ich war 13 als ich zum ersten Mal in einer Disco war. Heimlich, meine Eltern durften das damals nicht wissen (sie wissen es heute und können das ruhig lesen). Ich zog damals mit meiner drei Jahre älteren Cousine um die Häuser und meine Eltern dachten, ich würde bei ihr übernachten (was ich später – nach der Disco – auch getan habe). Ich werde diesen einen Abend niemals vergessen, weil er sich eingebrannt hat. Nachdem wir wie wild getanzt hatten, entschlossen wir uns den Heimweg anzutreten. Ein paar Leute gingen zusammen nach draußen. Auch er, ein Typ, den ich damals ganz toll fand und der uns den Kilometer bis nach Hause begleiten wollte. Es war kühl geworden und ich war nass geschwitzt. Deshalb entschloss ich mich, mein nasses Shirt unter der Weste auszuziehen, um dann meine Jacke darüber zu ziehen. Unter dem Shirt trug ich einen BH, das heißt, ich war ganz kurze Zeit fast nackt. Und dann kam es. Dieser Typ, ja, genau dieser Typ lachte laut auf und sagte “Für was trägst du denn einen BH, da ist doch nichts, was gehalten werden muss. Wie das aussieht.” Ich war geschockt, peinlich berührt, irritiert, unsicher, traurig und ich wollte nur noch nach Hause.

Dieses Erlebnis hat mich viele Jahre lang begleitet. Sicher, es war nicht nur dieser Typ und seine Äußerung, denn wenn ich mich selbst toll gefunden hätte, hätte es mich niemals so sehr getroffen. Aber zukünftig dachte ich viel mehr darüber nach was ich anziehen könnte und ich war immer der Meinung, dass ich viel zu kleine Brüste hätte. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mich so akzeptieren konnte wie ich war. Dazu kamen irgendwann während der Pupertät auch noch Gewichtsprobleme (ich machte sie mir, hatte sie eigentlich nicht). Ich fand mich unsexy, hatte Hemmungen und kleidete mich immer so, dass man meinen Körper nur erahnen konnte. Hauptsache Schwarz, denn das streckt ja bekanntlich.

Meine Eltern und Freunde konnten nie verstehen, dass ich mich selbst hässlich fand. Ok, hässlich fand ich mich nicht, aber eben nicht so attraktiv wie viele andere. Ich hatte ein echtes Problem mit meiner Hülle.

Mit den Jahren lernte ich meine Hülle zu akzeptieren und insbesondere meine kleinen Brüste fand ich irgendwann klasse. Ich hatte keine Rückenprobleme, konnte jeden Sport ohne große Probleme ausführen und hey, wo nicht viel ist, kann auch nicht viel hängen. Das wirklich Schöne und Interessante an dem Prozess war und ist, dass mir meine Hülle irgendwann nicht mehr so wichtig war. Irgendwann auf meiner Reise ging es mir viel mehr darum, dass ich mich wohlfühle. Wohlfühlen hat nicht unbedingt etwas mit Gardemaßen, großen Brüsten, langen Haaren oder einem Knackpopo zu tun. Wohlfühlen hat für mich etwas damit zu tun, dass ich mich mag. Das mag, wer ich bin. Genauso wie ich bin – sowohl innen als auch außen. Und … ich kann noch so ‘schön’ sein, wenn ich ein verkorster Mensch bin, ein Mensch, der innerlich leer ist, der nichts zu erzählen hat, der keine Leidenschaft empfindet, der sich nicht begeistern kann, der durch sein Leben kriecht, dann nützen mir meine großen Brüste, meine langen Beine, meine langen Haare und mein Knackarsch auch nichts. Wenn alles passt, umso besser. Das eine schließt das andere ja nicht aus ;-) .

Ich stehe auf Sport – schon immer – und ich stehe darauf, dass ich meinen Körper modellieren kann, dass ich mit unterschiedlichem Training und veränderter Ernährung viel verändern kann. Das gehört zu meinem Job und alles, was ich selbst versucht habe, kann ich noch viel besser weitergeben. Aber das Training für mein Innenleben ist genauso – wenn nicht sogar noch wichtiger. Denn, wenn mein Geist nicht klar und im Einklang ist, wie soll ich meinen Körper beeinflussen?!

Schönheit liegt im Auge des Betrachters und wenn ich mich betrachte – von innen und von außen – dann finde ich mich schön. Meistens. Ich wünsche mir, dass es immer mehr schöne Menschen gibt. Menschen, die sich so mögen wie sie sind, und die sich verändern wollen, um ihrer selbst Willen und nicht für die Gesellschaft oder ihren Partner.

Zelebriere deine Einzigartigkeit!

Comments

2 Comments to “Große Brüste. Lange Beine. Lange Haare. Knackpopo. Ist das alles?”

  1. Favicon Mia
    Februar 20th, 2012 @ 17:56

    “Mir geht es in meinem Job in erster Linie um das WOHLFÜHLEN. Die Schönheit kommt dann von alleine. Wenn ich mich wohlfühle, strahle ich von innen und jeder vermeintliche Makel wird dadurch unwichtig. ”
    Das mag ganz clichè klingen, ist aber ganz wahr. Und ich finde, die andere Leute merken es auch, egal wie oberflächlich man sein kann.

  2. Favicon Tanja
    Februar 20th, 2012 @ 18:05

    DANKE!!!!


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