Grenzgänger und -überschreiter.
Posted by | Tanja | Posted on | April 22, 2012 | Keine Kommentare
Ich bin mir sicher, du hast schon mal davon gehört, dass man seine Grenzen aufzeigen muss, dass man sie klar definieren muss, so dass andere so mit uns umgehen können, wie wir es uns wünschen.
Ich weiß nicht warum es so ist, aber heutzutage gibt es viele Menschen, die zwar ihre eigenen Grenzen setzen, sich selbst aber nicht daran halten und andere immer und immer über sie hinweggehen lassen. Oder die andere Fraktion, die gesetzte Grenzen niemals akzeptiert und sie immer wieder überschreiten. Vielleicht liegt es an der Erziehung, denn als Kleinkind und Heranwachsender lerne ich selbst, dass ich Grenzen achten muss, oder dass ich eben bei Grenzüberschreitung die Konsequenzen spüren werde. Wenn ich das nicht beigebracht bekomme, meine Eltern sich selbst nie an die von ihnen gesetzten Grenzen gehalten haben, nehme ich das mit und und verhalte mich als Erwachsener ganz genauso.
Es gibt Grenzen, die überschritten werden müssen, um herauszufinden, was dann geschieht. Und es gibt Grenzen, die wir selbst setzen und uns sogar irgendwie wünschen, dass der andere sie überschreitet. Alles normal. Aber es gibt irgendwann den Punkt, an dem wir einschreiten müssen, an dem wir STOP oder HALT sagen müssen, so dass es nicht ungesund für uns selbst wird. Außerdem sind Menschen mit starken und gesunden Grenzen oft sehr angenehme Gesellschaft, weil wir bei ihnen wissen, woran wir sind. Gesunde Grenzen machen uns stark und Stärke ist nun mal sehr attraktiv.
Wenn wir uns nicht abgrenzen und zu unserem eigenen Wohl einschreiten, geht es uns immer schlechter. Denn, wenn erst einmal die eine Grenze überschritten ist, werden sehr schnell auch andere folgen und dann befinden wir uns in einem Strudel, der uns immer unglaubwürdiger macht und vor allem, der uns gar nicht gut tut.
Wir müssen uns über unsere Grenzen bewusst sein. Wie weit darf ein anderer gehen? Wann und wo ist der Punkt, an dem es nicht mehr geht. Ich bin der Meinung, dass man diesen Punkt sogar körperlich spürt. Wenn ein anderer Mensch etwas tut, was ich “eigentlich” nicht will, dann ist mir körperlich unwohl und wenn ich dann nicht danach handle, wird es immer schlimmer.
Ich selbst teste sehr gerne Grenzen aus und ich bin nicht selten an Punkte gestoßen, an denen ich merkte, jetzt reicht es dem anderen. Das kann ich akzeptieren und dann weiß ich auch woran ich bin. Sehr gut. Umgekehrt war es nicht immer so in meinem Leben, dass ich die von mir gesetzten Grenzen tatsächlich eingehalten habe. Andere durften immer und immer wieder darüber hinweggehen. Ich habe mich nicht deutlich genug abgegrenzt und fühlte mich dadurch verletzt. Diese Verletzungen wurden nicht weniger. Ich mache niemandem einen Vorwurf, denn letztlich bin ich es ja, der den anderen sagen und zeigen muss, wo und wann genug ist. Wenn ich das verpasse – aus welchem Grund auch immer – wird es immer schwieriger.
Es kam der Tag, an dem ich das begriff. Endlich. Ich wusste auch plötzlich, dass es niemals zu spät ist, sich abzugrenzen, seine Grenzen noch einmal deutlich zu machen und mit allen Konsequenzen zu leben. Sehr gut zu leben. Viel besser zu leben. Die einzige wirkliche Konsequenz ist nämlich, dass es mir besser ging und dass ich mich stark fühlte, dass ich mich für mich und mein Seelenheil eingesetzt hatte und von diesem Tag an, fiel es mir immer leichter, danach zu leben.
Comments
Leave a Reply


