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“Shades of Grey” – Ich bin durch!

Posted by | Tanja | Posted on | September 13, 2012 | 2 Kommentare

Nach gerade mal vier Tagen habe ich das Buch gelesen. 600 Seiten, die ich verschlungen habe. Zwischendurch fragte ich mich, was mich wohl antreibt, warum ich nicht aufhören kann, warum ich weiter und weiter lesen muss. Eine richtige Antwort darauf habe ich nicht bekommen. Ich weiß nur, dass ich teilweise mit dem Buch eingeschlafen und auch wieder aufgewacht bin. Beim ersten Kaffee, auf dem Weg ins Wohnzimmer, zurück in die Küche und sogar einmal mit ins Badezimmer – ich habe es überall mit hingenommen und es konnte mich kaum etwas vom Lesen ablenken. Teilweise habe ich mir vorgenommen “noch ein Kapitel und dann widme ich mich anderen Dingen” und dann war das Kapitel ausgelesen und ich musste weiterlesen. Noch eins und noch eins.

Das hier soll keine Rezension im üblichen Sinn sein. Ich möchte keine Zusammenfassung des Buches schreiben, sondern lediglich ein paar Gedanken dazu aufschreiben, die ich während und jetzt nach dem Lesen hatte und habe. Das Buch hat alles. El James hat eine gute Schreibe – wie ich finde. Eine fesselnde Schreibe und sie erläutert Situationen so gut, dass ich sie mir sehr gut in Bildern vorstellen kann. Ich habe auch ein genaues Bild der Protagonisten vor mir und wäre wahrscheinlich eher enttäuscht, wenn es eine Verfilmung gäbe und ich die “üblichen” Schauspieler sehen würde. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, wer den Christian Grey spielen könnte. Die Rolle der Anastasia wäre deutlich leichter zu besetzen.

Es gefällt mir nicht alles in dem Buch. Es gibt Aussagen, die sich ständig wiederholen “alles zieht sich in mir zusammen” oder “es prickelt und mein Unterleib zieht sich zusammen.” Aber die Idee mit der Göttin und dem Unterbewusstsein, die beide sehr gerne zitiert werden, finde ich sehr sympathisch. Ich musste sehr oft über die  Aussagen der Göttin oder des Unterbewusstseins schmunzeln. Außerdem finde ich den E-Mail-Verkehr genial und erst beim näheren Hinsehen entdeckte ich, dass Grey manchmal seinen Titel in der Signatur geändert hatte und darüber habe ich mich wirklich sehr amüsiert – wie über den Inhalt der E-Mails generell. Ich finde die Protagonisten sehr sympathisch und könnte mir vorstellen, sie alle kennen zu lernen. Nicht nur Christian und Anastasia, sondern auch Kate, Elliot, José und wie sie alle heißen. Eine tolle Truppe.

Möglicherweise hätte mich die Rolle der Anastasia noch vor ein paar Jahren mehr in ihren Bann gezogen, mich noch mehr mitgenommen, weil ich definitiv ein Helfersyndrom hatte. Da ich das aber weitestgehend abgelegt habe, kann mir der lähmende Schmerz, die tiefe Trauer und die offensichtlich schlimme Kindheit von Christian nichts anhaben. Ich empfinde Mitgefühl und ohne dass ich den zweiten Teil gelesen habe, weiß ich genau was ihm widerfahren ist, aber niemand außer ihm selbst, kann ihm helfen. Und das hat Anastasia offensichtlich eingesehen. Ich habe mit dem Ausgang des ersten Teils gerechnet.

Die Erotik im Buch ist sehr gut beschrieben, wenn auch ich finde, dass eine solche Frequenz der sexuellen Aktivität schon fast unmenschlich ist. Egal wie viel Sport jemand treibt, oder wie gut er sich ernährt. Irgendwann ist einfach mal Schluss. Die Praktiken des Christian Grey’s sind teilweise sehr gewöhnungsbedürftig und diese Dom/Sub-Geschichte hat mich anfangs wirklich abgeschreckt. Wäre ja auch nichts für mich. Das muss ich zugeben.

Insbesondere die ersten 100 Seiten haben mir sehr viel Spaß gemacht und haben es auch geschafft, dass ich auch die restlichen 500 aufgesogen habe. Das Kennenlernen, die charmante Art von Grey und dieser absolute Wille – sehr faszinierend. Ich bin mir sicher, dass sich viele Frauen einen Mann wünschen, der genau weiß was er will und der auch alles tut, um das zu bekommen (wenn das Gegenüber entsprechende Signale sendet). Ich weiß nicht genau was die Emanzipation soll und wer sich ausgedacht hat, dass Männer ihre Männer-Rolle abgeben und umgekehrt, aber es scheint im Laufe der Jahre passiert zu sein. Ich finde die klassische Rollen-Verteilung sehr gut. Und ich meine nicht damit, dass er Geld verdient und sie zuhause die acht Kinder versorgt, ich meine, dass der Mann der Beschützer ist, dass er in manchen Fällen die Entscheidung trifft, dass er da ist, dass er Ansagen macht und das in einer charmanten, aber bestimmten Weise.

Ich schweife ab … Als ich bei Facebook geschrieben habe, dass ich nur noch am Lesen bin, kamen unterschiedliche Reaktionen. Ein Mann nannte das Buch “Hausfrauen-Erotik at it’s best” und dazu kann ich nur sagen, dass ich glaube, dass die meisten Hausfrauen (wie ich sie mir vorstelle) das Buch spätestens ab Seite 110 mit Schamesröte im Gesicht weglegen würden. Ich finde, das Buch sollten mehr Männer lesen. Vielleicht würden sie dann besser verstehen wie Frauen ticken (und umgekehrt). Und ich meine nicht wegen der Sexual-Praktiken, sondern wie sich ein Mann auch verhalten kann. Für Frauen ist es sicherlich auch gut, weil sie durch das Buch ein bisschen mehr Mut bekommen könnten, zu ihrer Sexualität und ihren Wünschen zu stehen. Grey lässt Ana immer wieder entscheiden und sie entdeckt sich dabei und findet auch heraus was ihr gefällt. Selbst der Blümchensex macht dann Spaß.

Wahrscheinlich  interpretiere ich viel zu viel in das Buch. Es ist einfach eine gute Unterhaltung. Dass es allerdings im gleichen Atemzug wie “Eat. Pray. Love.” genannt wird, kann ich nicht verstehen. Das ist absolut nicht zu vergleichen und “Shades of Grey” ist um Längen besser – wie ich finde.

Nun gut, mein Eindruck. Meine Meinung. Alles in Allem ein sehr gutes Buch und ich habe mir heute während meines täglichen Outdoor-Ausflugs den zweiten Teil zugelegt. Ich habe mir vorgenommen, etwas zu warten, bevor ich anfange zu lesen. Ich will nicht wieder im Bann sein, denn ich habe noch einige andere Dinge vor.

Übrigens, jeder darf seine eigene Meinung haben. Das wisst ihr doch, oder?!?

PS: Hier geht es zu einer Leseprobe der ersten 39 Seiten, die absolut ausreichen und die Lust auf mehr machen.

PPS: JETZT IST ABER GUT!

Comments

2 Comments to ““Shades of Grey” – Ich bin durch!”

  1. Favicon Gian
    September 15th, 2012 @ 18:17

    Hallo.
    Erstmal Kompliment für die interessante Rezession. Ganz dumme Frage: Lohnt sich als Mann ein Blick ins Buch oder soll ich es besser grad sein lassen? :-)
    Gruss aus der Schweiz
    Gian

  2. Favicon Tanja
    September 15th, 2012 @ 22:58

    Hi Gian,
    vielen Dank für das Kompliment für die “Rezension”, die ja eigentlich keine sein sollte ;-) . Ich hab natürlich nachgeschaut, wer da schreibt und jemand, der eine “Schreibplattform” betreibt, sollte doch jedem Buch eine Chance geben. Wie ich schon geschrieben habe … ein Buch für Männer und Frauen, wobei die Zielgruppe Frau schon stärker angesprochen wird und das soll wohl auch so sein. Gib dem Buch eine Chance und wenn du es schaffst, dich in die Rollen hinein zu versetzen, wirst auch du erfasst werden. Bestimmt.
    Ganz am Ende meines Artikels habe ich nich einen Link eingefügt. Damit gelangt man zu einer Leseprobe … spätestens dann weißt du, ob es dir gefällt oder nicht.
    Aber … meiner Meinung nach kann die Autorin schreiben. Sie hat ein Gefühl für die Worte und das ist schon sehr wichtig.
    Lg


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