Verhaftet in Mustern. Ich plaudere mal wieder aus dem Nähkästchen.
Posted by | Tanja | Posted on | Oktober 5, 2012 | Keine Kommentare
Ich habe schon einige Male über ähnliche Themen geschrieben, bzw. die Thematik kommt öfter in meinen Artikeln vor, weil sie eine sehr weitreichende Bedeutung hat und uns alle betrifft. Sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht habe ich mit tief verwurzelten Mustern zu tun, die ich als Außenstehender oft sehr schnell erkenne. Ich habe es auch im Laufe der Jahre gelernt, meine eigenen Muster zu erkennen und an der Auflösung zu arbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es geht. Denn wer will den gleichen “Fehler” immer und immer wieder machen? Ich kenne niemanden, der das bewusst will und habe aber dennoch den Eindruck, dass manche förmlichst danach schreien, ihre Fehler wiederholen zu dürfen.
Verhaltensmuster entstehen meistens in der Kindheit. Als Kleinkind und Heranwachsender werden wir geprägt. Von wem? Zu allererst von unseren Eltern, oder eben von den Personen, die permanent um uns herum sind, zu denen wir aufsehen, vor denen wir Respekt haben und alles, was sie tun ist richtig und gut. Warum sollten wir das in Frage stellen? Wir kennen es nicht anders. Ich möchte zwei Beispiele erläutern, um die Thematik deutlich zu machen.
Eine kleine Familie. Vater, Mutter und zwei Kinder. Der Vater hat es nie gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Weder für sich, noch für andere. Im Gegenteil, ihm wurde immer geholfen und es gab immer Menschen, die ihn unterstützt, oder die seine Aufgaben übernommen haben. Die Mutter ist genau die Person, die die Vaterrolle zusätzlich übernimmt. Sie hat also nicht nur ihre Rolle als Frau und Mutter, sondern hat auch noch die Versorgerrolle inne und darf dem Vater helfen, sein Leben zu führen. Sie übernimmt die Verantwortung für die ganze Familie und hat – wenn man es genau nimmt – drei Kinder. Ein großes und zwei kleine. Kommen wir zu den Kindern. Na, schon eine Idee worauf ich hinauswill? Für die Kinder ist diese Rollenverteilung normal. Sie prägen es sich ein. Sie bekommen zwar vielleicht in anderen Familien mit, wie es auch laufen kann, aber ihre erste und richtige Wahrheit ist genau dieses Verhalten. Möglicherweise suchen sich die Kinder einen Partner, der der Mutter oder dem Vater entspricht, so dass sie das Leben so leben können, wie sie es gelernt haben.
Eine andere Familie. Der Vater arbeitet rund um die Uhr, ist immer nur unterwegs und die Kinder sehen ihn – wenn es gut läuft – einmal am Wochenende. Dann ist es aber meistens so, dass der Vater seine Ruhe will, zum Golfen geht oder was auch immer macht. Er will sich erholen und dabei stören die Kindern. Meistens sogar seine Frau. Die Mutter ist Hausfrau und organisiert den Laden. Sie kümmert sich um den Haushalt und zieht die Kinder im Prinzip alleine groß. Sie ist unglücklich über die Situation und wünscht sich sehr, dass ihr Mann mehr Zeit mit ihr verbringt. Sie versucht oft mit ihrem Mann darüber zu reden, der aber hat keine Lust auf das Thema, blockt sie immer ab und will am liebsten nichts ändern. Gespräche, oder auch Monologe enden meistens im Streit und sie droht “gerne” mit der Trennung, wenn sich nichts ändert. Dabei wird sie immer trauriger, weil sich nichts ändert und sie immer mehr verzweifelt, dennoch nicht ihre Konsequenzen zieht und geht. Kommen wir zu den Kindern. Dieses Szenario erleben die Kinder. Es ist für sie normal. Sie lernen dieses Rollenverhältnis und wenn sie im späteren Leben ein Mensch so behandelt, wie der Vater die Mutter oder umgekehrt, ist es erst einmal nicht ungewöhnlich. Es ist ihre Normalität. Sie lernen weiter, dass Grenzen nicht eingehalten werden. Sie lernen nicht, sich abzugrenzen, denn auch wenn Mama wütend ist und droht sich zu trennen, sie ist niemals konsequent. Das heißt, es findet keine Abgrenzung statt und die Kinder werden es später sehr schwer haben, in ihrem Leben konsequent zu sein. Das heißt, den Punkt für sich selbst zu definieren, an dem es nicht mehr weitergeht und dann auch die angekündigte Konsequenz folgen zu lassen.
Ich könnte noch viele ähnliche Beispiele erläutern, denke aber, dass es klar ist, worauf ich hinauswill. Verhaltensmuster sind nicht schlecht oder wir sollten sie auch nicht an uns hassen, aber sie sind da. Es ist besser, sich ihrer anzunehmen, zu verstehen, warum wir uns so oder so verhalten, um die Chance zu haben, etwas zu ändern (wenn wir das wollen).
Ich habe einige solcher Muster aufgespürt. Manche sind nur ganz klein, andere aber sehr mächtig und beeinflussten mein ganzes Leben. Mein Verhalten im Job, zu Vorgesetzten, in Beziehungen, bei Freundschaften. Ich fühlte mich teilweise wie gefangen in mir selbst, weil ich nicht aus meiner Haut konnte und es wirklich hasste, schon wieder ähnliche Situationen oder Menschen anzuziehen. “Wie kann das sein?” fragte ich mich oft genug. “Ich will das doch nicht. Ich will mich nicht mehr so verhalten und warum ziehe ich immer noch das Gleiche an?”
Wie kam ich raus? Zu allererst habe ich gelernt, dieses Verhalten nicht mehr an mir zu hassen oder zu verabscheuen. Ich stellte mir dieses mächtige Gefühl “Hass” vor, seine negative Wirkung und dann überlegte ich mir, dass ich alles an mir lieben muss, um wirklich glücklich mit mir zu sein. Ich kann nicht sagen, dass ich das und dies und das liebe und andere Dinge hasse. Wenn ich das tue, hasse ich einen Teil von mir selbst und solange ich das tue, kann ich es nicht auflösen. Nein, schön wäre es. Im Gegenteil, ich bekam Menschen und Situationen geschickt, dir mir meine Muster noch mehr aufzeigten, die mir aufzeigten, was ich an mir hasse und das immer und immer wieder.
Also, was musste ich tun? Ich musste auch dieses Verhalten an mir lieben. Mir immer und immer wieder vor Augen halten, dass es ein Teil von mir ist und das ich das nun mal zurzeit bin. Das ist schon ein sehr großer Schritt. Ich weiß wovon ich spreche.
Als nächstes musste ich mir sehr bewusst machen, dass meine Eltern oder Erzieher zwar eine Wegstrecke meines Lebens mein Gesetz waren, dass es meine Wahrheit war und dass es so sein musste, dass es aber an der Zeit ist, meine eigene Wahrheit zu leben. So wie ich mir mein Leben vorstelle. Sowohl beruflich als auch privat. Ich musste mich lösen und das Alte verabschieden. Weder mit Groll und Hass, sondern für mich selbst entscheiden, dass es Vergangenheit ist und in der Gegenwart nicht mehr gilt. Das ist Arbeit. Echte Arbeit, denn man kommt immer wieder in Situationen, in denen man in seine Muster verfällt. Es beginnt mit dem Erkennen. Wenn man es an sich bemerkt, kann man einschreiten. Und mit der Zeit bemerkt man Dinge automatisch, muss nicht mehr darüber nachdenken und handelt neu.
Ich schreibe das hier so runter und man könnte meinen, es ist alles so einfach. Ich weiß, dass es das nicht ist, aber diese Arbeit mit sich selbst lohnt sich so sehr, um ein freies, glückliches und unbeschwertes Leben zu führen. Frei von Mustern oder falschen Glaubenssätzen und mit den Menschen und der Lebenssituation, die man sich wünscht.
Es kommt die Zeit, in der man erkennen muss, dass man sein eigener Herr und Meister über sein Leben ist und dass man für sich selbst verantwortlich ist. Eltern oder Erziehungsberechtigte können oder konnten nicht anders. Es ist unser Job unser Leben in die Hand zu nehmen, ohne Vorwürfe, sondern mit dem Wunsch, das Leben zu leben, was man möchte.
Übrigens, es gibt auch schöne Verhaltensmuster. Das sollte auf jeden Fall gesagt werden. Das nennt man dann “gute Erziehung”. Schon lustig, aber so ist es. Ein langer Text zum Wochenende, aber er wollte das Licht der Welt erblicken.
Happy Weekend!
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